"Hallo", grüßt es leise den Mann, der ein paar Meter entfernt an der Bushaltestelle endlich stehen bleibt, aber nichts gehört zu haben scheint.
"Guten Abend", entgegnet es der Frau, die einen extravaganten Regenmantel trägt.
Nichts, keine Reaktion, von irgendwem. Immer bloß nasse Hundeschnauzen im Gesicht, geheucheltes Interesse im Vorbeigehen. Eine Dreistigkeit ist es, dann auch noch das Bein zu heben und das neue Kleid zu verschandeln. Es kommt sich vor, wie eine alte Dame am Straßenrand, für die niemand mehr anhält. Es scheint jedem egal, ob es hier im Regen steht, oder ob es nachts mal kalt wird. Dabei ist es das einzige Schöne in dieser sonst so kahlen Straße, die so viele Menschen Tag um Tag durchlaufen, gescheuchten Pferden gleich, fast panisch motiviert.
Wenige Meter vor der kleinen Blume senkt sich der Asphalt zu einer Kuhle, in der sich das Regenwasser sammelt. Eigentlich ganz schön hier, mit funkelndem See, wenn sich das Licht der Sonne darin bricht.
"Es wäre schön hier. Ich will doch nur wachsen! Ein bisschen größer sein und etwas mehr beachtet werden. Ich hätte gern ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit und Höflichkeit. Kann denn hier keiner guten Tag sagen? Ich steh mir hier die Beine in den Bauch, kenne euch alle, habe euch tausend Mal gesehen, eure Gespräche belauscht und euer Spiel durchschaut. Ein nettes Lächeln, einen Hauch von Dankbarkeit, für mein Entgegenkommen, für meine Existenz.